Ministerin WEYKMANS erklärt Pläne zur Zukunft des Heidberg-Klosters
(Grenz-Echo Interview vom 8/07/2010)
Zu einem kulturellen Begegnungs- und Bildungszentrum, multifunktional und offen gestaltet, soll das mehr als 300 Jahre alte ehemalige Kloster Heidberg im Laufe der nächsten Jahre umgestaltet werden. 9,35 Millionen Euro hat die Deutschsprachige Gemeinschaft als Eigentümerin derzeit hierfür vorgesehen.
1,35 Millionen Euro sind für die Planungskosten sowie die Erneuerung des Daches der Kapelle und des Klosters im Infrastrukturplan 2010 eingetragen. 2011 sind 1,5 Millionen Euro für Baukosten vorgesehen und im Katalog der Infrastrukturvorhaben für die darauf folgenden Jahre 6,5 Millionen.
Nachdem nun allerdings die ehemalige Kapelle am vergangenen Samstag bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist, steht laut Kulturministerin Isabelle Weykmans fest, dass sich die Staffelung der vorgesehenen Arbeiten ändern muss: Die Sicherung der Brandruine, der Abbau der verbliebenen Dachstuhlreste und der Schutz des Mauerwerks haben absoluten Vorrang. »Wir müssen die Kapelle vor dem Winter dicht kriegen«, so die Ministerin im Gespräch mit dem Grenz-Echo. Die neue Ausgangslage möchte sie dazu nutzen, zunächst die Kapelle - getrennt vom Rest - als öffentlichen Raum im Bildungs- und kulturellen Bereich nutzbar zu machen.
Ergänzung
Wie sich das Kloster nach seiner Umgestaltung präsentieren könnte, das zeigt eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2008. Fest steht, dass es Konferenz- und Seminarräume mit Übernachtungsmöglichkeit für deren Nutzer geben wird. Das Unterbringungsangebot soll eine Ergänzung zu dem bislang in Ostbelgien bestehenden darstellen und sich an dem orientieren, was es bereits andernorts in alten Klöstern gibt, die einer Umnutzung zugeführt wurden: »Kein Hotel, keine Jugendherberge, keine Gästezimmer«, so die Ministerin, die das geplante Zentrum von der Grundidee, nicht aber vom Standard her am ehesten mit dem Kulturellen Begegnungszentrum KuZ in Burg-Reuland vergleichen würde. Ein Blick in die ersten Skizzen und Pläne der Machbarkeitsstudie zeigt, dass die bescheidenen Einzelzimmerchen der Ordensschwestern, die später Internatsschüler des Heidberg-Instituts beherbergten, in ihren Ausmaßen voll erhalten bleiben und zu neuen Unterkünften hergerichtet werden sollen, während der Westflügel Platz für einige größere Schlafräume bieten würde. Insgesamt ist eine Unterbringungskapazität von 50 Personen ins Auge gefasst. Derweil böte der Bereich des an die Kapelle angrenzenden und ebenfalls abgebrannten ehemaligen Chorraums der Ordensschwestern Platz für Küche und Beköstigung. Der Turmbau am Haupttrakt würde in erster Linie eine behindertengerechte Herrichtung (Aufzug etc.) des 3000 Quadratmeter großen Gesamtkomplexes ermöglichen, dessen aktueller äußerlicher Aspekt aus Gründen des Denkmalschutzes weitestgehend gewahrt werden muss.
Was das spätere Funktionieren des Begegnungs- und Bildungszentrums mit seiner ruhigen und dennoch zentralen Lage in unmittelbarere Nähe zum Bahnhof betrifft, so gilt dieses - neben dem KuZ in Reuland, dem touristischen Zentrum der Wesertalsperre sowie den Zentren Worriken und Ternell - schon jetzt als eines der fünf »Gemeinschaftszentren« der DG. Dies schließe selbstverständlich die Einbindung eines privaten Partners nicht aus, sagt Isabelle Weykmans, die im Gespräch mit dem Grenz-Echo betonte, dass das eigentliche Hauptziel des gesamten Projekts der Schutz der in der DG einzigartigen Klosteranlage aus dem 18. Jahrhundert sei - wobei ganz besonders der Dachstuhl als erhaltenswert gelte.
»Besonderer Ort«
Auch sollte dass Objekt öffentlich zugänglich und einsehbar bleiben, »und da ist die öffentliche Hand wohl die einzige, die das gewährleisten kann«, so die Ministerin, die an dieser Stelle noch einmal unterstrich, dass auch die Stadt Eupen in dieser Akte stets über den Stand der Dinge auf dem Laufenden gehalten worden sei.
Auf die Heidberg-Kapelle und deren Wiederaufbau angesprochen, erklärte Weykmans, dass diese »ein besonderer Ort« bleiben werde, der »seine Besonderheiten beibehalten soll«. Mit anderen Worten: Es wird bei Veranstaltungen aller Art stets erkennbar bleiben, dass sie in einem umfunktionierten ehemaligen Gotteshaus stattfinden. Entsprechend wird auch die derzeit im Abbau befindliche Reifferscheid-Orgel aus dem Jahr 1867 nach erfolgter Restaurierung hier ihren angestammten Platz wieder einnehmen.