(Interview des Grenz-Echo, Ausgabe 05/03/2010)
NACHGEFRAGT: Föderalabgeordnete Kattrin Jadin
Keine Auflistung von Pro und Contra
Nach ihrer mündlichen Frage an Staatssekretär Philippe Courard (PS) beantwortete uns die liberale Föderalabgeordnete Kattrin Jadin nachstehende Fragen.
Hand aufs Herz Kattrin Jadin: Was war der eigentliche Grund Ihrer Frage an Staatssekretär Philippe Courard? Sind Sie gegen die Einrichtung eines Empfangszentrums für Asylbewerber in Eupen?
Es ging mir bei der Intervention um eine Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet das Belle-Vue von Herrn Courard als Empfangszentrum auserwählt wurde. Ich bin mir der misslichen Lage bewusst, dass es an Plätzen für Asylanten in Empfangszentren mehr als mangelt, und weiß, dass dringend neue Lösungen gefunden werden müssen, aber vor allem, dass es eine Bestandaufnahme der aktuellen Gesetzgebung zum Thema Migration geben muss. Dies ist eine Tatsache und hat nichts mit einer gegnerischen Haltung für ein Empfangszentrum in Eupen zu tun.
Sehen Sie nicht die Gefahr, mit Ihrer Argumentation ausländerfeindlichen Ressentiments Vorschub zu leisten?
Im Stadtrat wurde uns mitgeteilt, dass der Staatssekretär sich wohl vehement für den Standort Eupen eingesetzt habe. Als Föderalabgeordnete fühle ich mich selbstverständlich in die Pflicht genommen, den zuständigen Staatssekretär zu einer Entscheidung, die direkten Einfluss auf die Mitbürger meiner Region hat, zu befragen. Zudem wollte ich Herrn Courard auf die schlechte Koordinierung der Informationen in dieser Sache aufmerksam machen, sowohl mit den städtischen Behörden wie mit der Bevölkerung. Eine Auflistung von Pro und Contra ist nicht Gegenstand meiner Intervention.
Wie groß sind Ihres Erachtens die Probleme, die auf die Eupener Schulen zukommen? Zuletzt war die Rede davon, dass mit rund zehn schulpflichtigen Kinder zu rechnen ist. Das dürfte gerade die städtischen Schulen in der Ober- und der Unterstadt, die bereits zahlreiche Kinder ausländischen Ursprungs erfolgreich integrieren, wohl kaum vor Probleme stellen.
Wie viele der Kinder im Empfangszentrum schulpflichtig sein werden, konnte man mir nicht sagen. Da scheinen Sie besser informiert. Ich denke aber, dass auch die Schulbehörden diesbezüglich gerne optimal vorbereitet wären. Ein weiteres Beispiel von mangelnder Kommunikation in diesem Dossier. Wenn die Integration so einfach in unseren Schulen funktioniert, umso besser. Es gibt leider viele Beispiele, im In- und Ausland, die das Gegenteil bezeugen. Ziel muss sein, Menschen mit Migrationshintergrund gleiche Bildungs- und Berufschancen in unserer Gesellschaft zu gewähren, sie umfassend am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben zu beteiligen. Deshalb sind die ersten Schuljahre für die betroffenen Kinder besonders wichtig. Die Zahl an Zuwanderern wird sich in den nächsten Jahren wohl kaum verringern. Dieser Herausforderung müssen wir uns stellen und wissen, wie wir eine interkulturelle Gesellschaft aufbauen können, in der jeder gleiche Rechte, aber auch gleiche Pflichten hat.
Glauben Sie wirklich, dass eine Stadt wie Eupen größere Probleme mit der Bewältigung dieser Herausforderung haben wird als das 200-Seelen-Dorf Manderfeld ?
Dass die Einwohner Manderfelds sich in einer ersten Phase mit dieser »neuen« Situation anfreunden mussten, ist ja kein Geheimnis. Natürlich ist es nun seitens der Stadt Eupen wichtig, die Eupener, vor allem die Anwohner des Belle-Vue-Instituts, sofort bei allem mit einzubeziehen. Ich bin gespannt, wie das umgesetzt werden wird, da es ja auch mit intensiver Arbeit verbunden ist. Ein Zusammenleben der Kulturen bleibt das erklärte Ziel. Wir Liberale haben Migration schon immer als Chance und Integration seit jeher als eine wesentliche Aufgabe von Politik und Gesellschaft verstanden. Aber Integration findet nicht einfach statt, sondern muss gestaltet werden.
(jph)